Integrierte Lösungsorientierte Psychologie

 

Weshalb nennt sich die Integrierte Lösungsorientierte Psychologie (ILP) eine „Kurztherapie”?

 

Mit lösungsorientierten Therapieverfahren konnte mit durchschnittlich weniger als fünf Sitzungen eine Erfolgsquote von über 80% erreicht werden. Dies wurde am wissenschaftlichen Institut BFTC ermittelt.
Die Klienten können also in sehr kurzer Zeit in Prozesse geführt werden, mit denen sie ihr Leben wieder zufriedenstellend selbst gestalten können. An regelmäßigen Therapiesitzungen über Jahre, wie viele sie aus US-amerikanischen Filmen kennen, kann der Klient kein Interesse haben, will er ein normales Leben führen.
Bei uns entscheidet der Klient, wann für ihn die Behandlung / das Coaching ausreichend ist.

 

Seit wann gibt es so genannte Kurztherapien?
Welche Namen und Einrichtungen stehen dafür?


Bereits 1954 hatte Milton Erickson erste Ideen von Kurztherapie veröffentlicht. Rund 15 Jahre später entstanden lösungsorientierte Kurztherapien unabhängig voneinander:
Im Brief Therapie Center in Palo Alto / Kalifornien (gegründet 1968), wo u.a. Paul Watzlawick arbeitete.
Bei Steve de Shazer ab 1969 mit seiner Methode, deren Weiterentwicklung im 1978 gegründeten Brief Family Therapie Center in Milwaukee / Wisconsin stattfand.
Und in Mailand / Italien im Familienforschungszentrum Centro per lo Studio della Famiglia, u.a. mit Mara Selvini Palazzoli und Luigi Boscolo.

Als Geburtsstunde der Lösungsorientierten Kurztherapien gilt Ende der 1980er die Entwicklung der „Wunderfrage” von Steve de Shazer, der Milton Ericksons Idee von der Zukunftsvision des Klienten modifizierte.

De Shazers Buch „Wege der erfolgreichen Kurztherapie” erschien 1989 auf deutsch, Richard Bandlers „Veränderung des subjektiven Erlebens” 1992.
Damit fassten die Therapien auch in Deutschland Fuß, und werden u.a. am Psychologischen Institut der Universität Bamberg und am Norddeutschen Institut für Kurzzeittherapie in Bremen weiter verfolgt.

 

Wieso gehen lösungsorientierte Therapien sofort von Lösungen aus und halten sich nicht lange mit Problemen und Diagnosen auf?

 

 

Der Klient soll nicht noch näher zu seinen Problemen gelangen und an sie gefesselt werden, seine (eventuell traumatische) Vergangenheit nicht unnötig Schmerzen bereiten. Vielmehr soll er Lösungen für sein aktuelles Leben und die Zukunft finden.
Es wird nicht an den Symptomen laboriert, sondern Ressourcen erschlossen, mit denen der Klient den Herausforderungen seines Lebens begegnen kann.

 

Renommierte Psychologen wie Steve de Shazer oder Richard Bandler behaupten, es gäbe keinen Zufall. Wie kommen sie darauf?

 

Man nennt diese Sichtweise „Konstruktivismus”:
Die Wahrnehmung des Menschen kann nicht die vollständige Wirklichkeit erfassen, sondern immer nur einen Ausschnitt. Die unvermeidlichen Lücken schließt das Gehirn (meist unbewusst) und greift dabei auf Erfahrungen zurück, gibt dem Wahrgenommenen also eine Bedeutung. Diese variiert stark mit der jeweiligen Gefühlslage, eigener Zielsetzung, genetischer Codierung, Erziehung, dem eigenen Lebensumfeld, kulturellem Hintergrund und vielem mehr.
Das heißt, jeder Mensch konstruiert mittels seiner subjektiven Wahrnehmung seine Umwelt selbst, handelt entsprechend und erzeugt damit – im Zusammenspiel mit anderen Menschen – Phänomene, die er dann wiederum subjektiv wahrnimmt.

 

Klingt kompliziert. Was habe ich davon?

 

Vorteil dieses komplexen Zusammenspiels ist für die Therapie, dass der Klient schon durch eine kleine Veränderung seiner Sichtweise eine große Wirkung in der „bedrückenden Wirklichkeit” erreichen kann.
Dabei ist noch nicht einmal eine äußerlich erkennbare Handlung nötig. Bereits eine innerlich leicht verschobene Perspektive kreiert objektiv feststellbare Verbesserungen in seinem Leben.

 

ILP erhebt den Anspruch, mit der „Psychographie” die „wirkliche Realität” abzubilden. Ist das nicht ein Widerspruch dazu, dass die Realität gar nicht erfassbar ist?

 

Psychographie ist eine Wortschöpfung aus „Psychologie” und „Geographie”. Gerade weil weder Therapeut noch Klient die komplette Realität (er)kennen können, brauchen sie eine verlässliche Technik zur Orientierung darin.
Wie ein Wanderer, der mittels einer Landkarte seinen Weg durch ihm unbekanntes Terrain findet und je nach persönlichem Interesse eine Tour mit vielen Sehenswürdigkeiten oder eine sportliche Route wählen kann.
Eine ebensolche Variabilität ermöglicht die ILP-Psychographie für Klient und Therapeut, wobei der Therapeut als „Bergführer” fungiert, und seinem Klienten zu einer passgenauen Orientierung in dessen Leben verhilft.

 

Schon seit Sigmund Freud behaupten Psychologen, die meisten unserer Probleme kämen aus der Kindheit. Wie kann dem Erwachsenen etwas Schwierigkeiten bereiten, was schon so lange zurück liegt?

 

Jeder Mensch sucht weiterhin nach Zuwendung, Anerkennung oder Erlaubnis.
Hat es an einem oder mehreren dieser Faktoren schon in der Kindheit gemangelt, spürt der Erwachsene das verstärkt, ganz besonders in Krisen.
Im Rückgriff auf kindliche Verhaltensweisen versucht dann das Unterbewusstsein, die Mitmenschen zu manipulieren. Das erwachsene Bewusstsein will das natürlich eigentlich nicht und wehrt sich genauso dagegen, wie die meisten Mitmenschen.
Deshalb kosten solche unbewussten Psychospiele viel Kraft und frustrieren die Betroffenen.
Ziel ist die Veränderung des kindlichen Verhaltensmusters und die Entwicklung / Stärkung des Klienten im sogenannten Schlüsselbereich: dort, wo gesunde Prozesse beginnen.

 

Ich habe keinen Mangel in der Kindheit gespürt, ich war glücklich. Dennoch fühle ich mich nun seelisch schlecht und habe Schwierigkeiten. Wie kommt das?

 

Es kann auch ein früherer Anfangspunkt bestehen, z.B. bei schrecklichen Erlebnissen der Großeltern im Krieg. Solche verdeckt weiter gegebenen Probleme sitzen besonders tief und erscheinen aktuell unerklärlich.
Neuere Forschungen lassen den Schluss zu, dass ganze Gesellschaften Traumata, wie z.B. die zwei Weltkriege, an ihre Nachkommen weiter geben, tiefenpsychologisch und sogar genetisch vererblich (Forschungsgebiet der Epigenetik).
Aber selbst diese Weitergabe kann tiefenpsychologisch durchbrochen werden, vor allem mit systemisch-energetischer Therapie.

 

Systemisch-energetische Kurztherapie kann mir keiner recht erklären, das ist mir suspekt. Wie soll das denn funktionieren, wenn es keiner wirklich erklären kann?

Man kann insbesondere durch Beobachtung erkennen, dass es systemische Zusammenhänge gibt, auch wenn man die Vorgänge selbst nicht versteht. Ein wesentlicher Faktor im Systemischen ist Erfahrung, auf die man vertrauen kann, und sorgfältige Ausführung der Arbeit.

Beispiele:
a) Bei Baubeginn des Kölner Doms vor über 1200 Jahren kannte man noch keine systematische Baustatik. Dennoch trägt dieser Bau eine der größten Kirchen der Welt, und moderne Computerberechnungen haben eine erstaunlich effektive Statik ergeben, die sogar ein starkes Erdbeben auffangen würde. Die Effektivität der Bauweise basiert auf Nachahmung und Übertragung bereits bewährter Techniken und der Erfahrung von Generationen von Baumeistern.
b) Umgekehrt geben noch immer Verantwortliche, dem schlichten Wenn-Dann-Prinzip folgend, viel Geld aus: Sie meinen beispielsweise, wenn sie die besten Fußballer der Welt verpflichten, dann wird ihre Mannschaft fast von selbst Meister. Klappt nachweisbar nicht so einfach. Erfolg einer Mannschaft (eines Systems) ist eben mehr als die taktisch verknüpfte Summe aus Einzelfaktoren.

In der systemisch-energetischen Therapie können Klient und Therapeut den Gefühlen und Lösungswegen des Klienten und der eigenen sowie der Erfahrung anderer Therapeuten vertrauen.

 

Ich habe gehört, ILP sei wissenschaftlich noch nicht anerkannt. Wieso kann ich der ILP-Methode dennoch vertrauen?

 

1) Die Integrierte Lösungsorientierte Psychologie von Dr. Dietmar Friedmann kombiniert nach 30-jähriger Forschungsarbeit auf neue Art bereits lange bekannte und anerkannte Methoden: die Lösungsorientierte Kurztherapie nach Steve de Shazer, die Tiefenpsychologische Neurolinguistische Programmierung (NLP) nach Richard Bandler und die Systemische Therapie nach Fritz Perls.
Diese Einzelmethoden sind vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) anerkannt, zuletzt die Systemische Therapie im Dezember 2008. Die Thematik ist also, wie schon weiter oben erwähnt, insgesamt noch sehr jung und in Deutschland überhaupt erst seit den 1990er Jahren bekannt.

2) Wissenschaftlichkeit ist definiert mit den Kriterien Objektivität (Trennung von Gegenstand und Person), Reliabilität (Zuverlässigkeit und Wiederholbarkeit), Validität (korrekter Nachweis), Unvoreingenommenheit, Ergebnisoffenheit sowie Freiheit von Paradoxien.
In der praktischen Psychotherapie ist aber kein individueller Fall wiederholbar, wie es diese Definition fordert. Denn es gibt so viele unterschiedliche Leben, wie es Menschen auf der Erde gibt. Ebenso wenig sind Beobachter und Objekt streng trennbar: Beides ist der Mensch selbst. Insofern ist derart definierte Wissenschaftlichkeit in keinem sozialen Forschungsgebiet aufrecht zu erhalten, lediglich in eng reglementierten Laborexperimenten. Sinnvolle und wirksame Hilfe für Menschen ist aber kein Laborexperiment, sondern muss sich in der komplizierten Realität beweisen.

3) Die Wissenschaft selbst deckt ständig neue Paradoxien auf. Und die Lösungsorientierte Therapie folgt sogar einem klassischen wissenschaftlichen Vorgehen, der Heuristik: Betrachte das Problem als gelöst, suche durch Rückwärtsschreiten den Lösungsweg, schreite auf dem gefundenen Weg wieder vorwärts und zeige, dass es funktioniert.
Heuristiken sind in der Wahrnehmungspsychologie und neurobiologischen Forschung sehr häufig, fanden und finden zudem in der Mathematik (Leipniz, Euler), und heute vor allem in der Anthropologie, Informatik (Algorithmen) und den Wirtschaftswissenschaften (Operations Research) umfassende Anwendung.